>black box< Vol. 8: ¡Taksim Tactics! mit Imre Azem

Film und Gespräch mit dem türkischen Regisseur Imre Azem („Ekümenopolis – Stadt ohne Grenzen“)

Seit vier Wochen schaut die Welt nach Istanbul, wo sich aus Auseinandersetzungen um die Bebauung des Gezi-Parks eine grosse, sehr kreative Protestbewegung entwickelte, die vor allem drei Forderungen hat: mehr Demokratie, keine Beschneidung von Freiheitsrechten durch religiöse Vorschriften und eine nachhaltige Industrie- und Baupolitik.ekumenopolis_screen

Damit liegen sie quer zur politischen Agenda der AKP-Regierung. Ministerpräsident Erdoğan profiliert sich seit Jahren mit zweifelhaften Großprojekten, die in der Bevölkerung keine Mehrheit finden. Die geplante Bebauung des Gezi-Parks war schließlich der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte und wurde zum Symbol des Widerstands gegen weitere Projekte wie die dritte Bosporusbrücke, den dritten Istanbuler Flughafen, neue Atomkraftwerke und Staudämme.ekumenopolis_screenshot_04

Der türkische Filmemacher Imre Azem hat sich seit vielen Jahren mit der Entwicklung Istanbuls zur „Global City“ beschäftigt und reflektiert in seinem Dokumentarfilm „Ekümenopolis“ genau die Entwicklungen, gegen die die türkische Protestbewegung heute auf die Straße geht. Er war von Beginn an im Gezi-Park dabei und wird im Gespräch auch mit Fotos und Videos einen Einblick in die aktuelle Situation vermitteln.ekumenopolis_screenshot_05

Zum Trailer des Films:

„Ekümenopolis“, Regie: Imre Azem, Türkei 2011, 93 min. (türkisch engl. UT)

Ekümenopolis – das ist die Vision vom kontinuierlichen Wachstum großer Städte bis zu dem Punkt, an dem sie sich vereinigen und so einen weltweit zusammenhängenden städtischen Raum ausmachen. Imre Azem verwendet das Bild der Ekümenopolis, um die aktuelle Situation Istanbuls zu beschreiben. Er dokumentiert die sozialen Härten und ökologischen Probleme, die mit dem rapiden und scheinbar unaufhörlichen Wachstum Istanbuls einhergehen: der gewaltsame Abriss von Wohnraum gegen den Willen ihrer Bewohner/innen und die Zerstörung der Natur in und um Istanbul. Der Film hinterfragt die zugrunde liegende Dynamik dieser Entwicklungen: Das Wachstum Istanbuls wird forciert durch städtische Großprojekte, die gegen den Einwand von Wissenschaftler/innen und gegen die Forderung der Bevölkerung, den eigenen Lebensraum mitgestalten zu wollen, durchgesetzt werden. Der Film entwirft ein Bild neoliberaler Urbanisierung, welche die ökologischen, ökonomischen und demographischen Grenzen überschreitet.

17. Juli 2013, 19:00 Uhr, Galerie für Zeitgenössische Kunst

19:00 Uhr Vorführung „Ekümenopolis“ in der >blackbox<

21:00 Uhr Gespräch mit Imre Azem auf dem Balkon der GfzK (open air)

Moderation: Luc-Carolin Ziemann

DER FILM LÄUFT AUF TÜRKISCH MIT ENGLISCHEN UNTERTITELN UND DAS GESPRÄCH WIRD AUF ENGLISCH GEFÜHRT

>blackbox< wird In Kooperation mit der Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig organisiert und durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen gefördert.

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