Kategorie: Allgemein

Rückblick: ¡Taksim Tactics! mit Imre Azem (Istanbul)

2.1.21

Es war ein intensiver, spannender und sehr informativer Abend, in dessen Verlauf uns der Aktivist und Regisseur Imre Azem einiges über die Hintergründe der aktuellen Protestbewegung in der Türkei mitgegeben hat.

It was an intensive, thrilling and very interesting evening when Imre Azem told the audience about the background of the Turkish Protests.

Sollten Sie Interesse daran haben, detailliertere Informationen zum Ablauf der Veranstaltung zu bekommen, wenden Sie sich bitte an uns.

In case you want more detailed informations about the evening, please contact us.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Imre Azem, der bereits wieder in Istanbul ist.

Our big thanks go out to Imre Azem, who is already back in Istanbul.

Weitere Informationen finden Sie auf seiner Filmwebseite.

For further information, have a look at his film website!

 

>black box< Vol. 8: ¡Taksim Tactics! mit Imre Azem

Film und Gespräch mit dem türkischen Regisseur Imre Azem („Ekümenopolis – Stadt ohne Grenzen“)

Seit vier Wochen schaut die Welt nach Istanbul, wo sich aus Auseinandersetzungen um die Bebauung des Gezi-Parks eine grosse, sehr kreative Protestbewegung entwickelte, die vor allem drei Forderungen hat: mehr Demokratie, keine Beschneidung von Freiheitsrechten durch religiöse Vorschriften und eine nachhaltige Industrie- und Baupolitik.ekumenopolis_screen

Damit liegen sie quer zur politischen Agenda der AKP-Regierung. Ministerpräsident Erdoğan profiliert sich seit Jahren mit zweifelhaften Großprojekten, die in der Bevölkerung keine Mehrheit finden. Die geplante Bebauung des Gezi-Parks war schließlich der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte und wurde zum Symbol des Widerstands gegen weitere Projekte wie die dritte Bosporusbrücke, den dritten Istanbuler Flughafen, neue Atomkraftwerke und Staudämme.ekumenopolis_screenshot_04

Der türkische Filmemacher Imre Azem hat sich seit vielen Jahren mit der Entwicklung Istanbuls zur „Global City“ beschäftigt und reflektiert in seinem Dokumentarfilm „Ekümenopolis“ genau die Entwicklungen, gegen die die türkische Protestbewegung heute auf die Straße geht. Er war von Beginn an im Gezi-Park dabei und wird im Gespräch auch mit Fotos und Videos einen Einblick in die aktuelle Situation vermitteln.ekumenopolis_screenshot_05

Zum Trailer des Films:

„Ekümenopolis“, Regie: Imre Azem, Türkei 2011, 93 min. (türkisch engl. UT)

Ekümenopolis – das ist die Vision vom kontinuierlichen Wachstum großer Städte bis zu dem Punkt, an dem sie sich vereinigen und so einen weltweit zusammenhängenden städtischen Raum ausmachen. Imre Azem verwendet das Bild der Ekümenopolis, um die aktuelle Situation Istanbuls zu beschreiben. Er dokumentiert die sozialen Härten und ökologischen Probleme, die mit dem rapiden und scheinbar unaufhörlichen Wachstum Istanbuls einhergehen: der gewaltsame Abriss von Wohnraum gegen den Willen ihrer Bewohner/innen und die Zerstörung der Natur in und um Istanbul. Der Film hinterfragt die zugrunde liegende Dynamik dieser Entwicklungen: Das Wachstum Istanbuls wird forciert durch städtische Großprojekte, die gegen den Einwand von Wissenschaftler/innen und gegen die Forderung der Bevölkerung, den eigenen Lebensraum mitgestalten zu wollen, durchgesetzt werden. Der Film entwirft ein Bild neoliberaler Urbanisierung, welche die ökologischen, ökonomischen und demographischen Grenzen überschreitet.

17. Juli 2013, 19:00 Uhr, Galerie für Zeitgenössische Kunst

19:00 Uhr Vorführung „Ekümenopolis“ in der >blackbox<

21:00 Uhr Gespräch mit Imre Azem auf dem Balkon der GfzK (open air)

Moderation: Luc-Carolin Ziemann

DER FILM LÄUFT AUF TÜRKISCH MIT ENGLISCHEN UNTERTITELN UND DAS GESPRÄCH WIRD AUF ENGLISCH GEFÜHRT

>blackbox< wird In Kooperation mit der Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig organisiert und durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen gefördert.

Rückblick: Zwei Mütter

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Regisseurin Anne Zohra Berrached bei der Diskussion über ihren Film “Zwei Mütter”

_MG_8648Susanne Hampe (queerkids) erläutert die Feinheiten der rechtlichen Situation gleichgeschlechtlicher Paare mit Kinderwunsch.

 

>black box< Vol. 7: Zwei Mütter – Kinderwunsch als Spießrutenlauf

In der kommenden Veranstaltung widmen wir uns einem Thema, das unlängst für viel Aufsehen gesorgt hat: die Frage danach, wer definieren darf, wer eine Familie sein kann. Anders ausgedrückt: die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften.

In Frankreich folgten unlängst auf gesetzgeberische Versuche der Gleichstellung große homophobe Demonstrantionen, in Deutschland wird das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Ehegattensplittung für Lebenspartnerschaften kontrovers diskutiert, während es gleichzeitig vom Gesetzgeber konsequent vermieden wird, das Thema Adoption durch lesbische und homosexuelle Paare anzusprechen.

Homosexuelle Paare mit dem Wunsch nach Kindern stehen in Deutschland vor einem Problem. Sowohl Adoptionen als auch die künstliche Befruchtung findet in einer rechtlichen Grauzone statt und ist keineswegs gesellschaftlich akzeptiert.

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Hinter den Ressentiments steht häufig ein konservatives Familienbild, das keine Ausnahme von der vermeintlichen Regel “Vater-Mutter-Kind” zulässt. Dabei ist aus der Regel längst die Ausnahme geworden und diese Entwicklung hat ein Bedeutungs-Vakuum hinterlassen, um das nun erbittert gerungen wird.

Im Rahmen der Ausstellung “Hausgemeinschaft (family affairs)”, die zeitgleich in der GfzK stattfindet und flankierend zum dazugehörigen Filmprogramm zeigen wir in der >black box< den preisgekrönten Film

„Zwei Mütter“ Regie: Anne Zohra Berrached, Deutschland 2013, 75 min.

 

Katja und Isabella wollen ein Kind zeugen. Doch das ist weniger einfach, als sie denken. Wie viele lesbische Paare in Deutschland müssen sie feststellen, dass die meisten Samenbanken und Kinderwunschkliniken es aus rechtlichen Gründen ablehnen, gleichgeschlechtliche Paare zu behandeln. Für das Paar beginnt ein Spießrutenlauf durch Kliniken und Internetforen während dem beide manchmal fast vergessen, dass am Anfang dieses Weges ein gemeinsamer Wunsch stand.

Im Anschluss findet ein Gespräch mit Regisserin Anne Berrached und Susanne Hampe (queerkids Leipzig) statt. Wie immer ist die Beteiligung aus dem Publikum erwünscht!

19. Juni 2013, 19:00 Uhr, Galerie für Zeitgenössische Kunst

Eintritt: 2,00 EUR

>blackbox< wird In Kooperation mit der Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig organisiert und durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen gefördert.

D.I.Y. zwischen Punk und PayPal

„D.I.Y.” soweit das Auge reicht: auf Märkten, in radikalen Nähzirkeln und natürlich auf den obligatorischen Online-Marktplätzen.Von der selbstbewussten Punk Attitude der 1970er Jahre (3 Gitarrengriffe ergeben einen Song – reicht doch!) ist heute nicht viel übrig geblieben. Inzwischen hat sich D.I.Y. eher als Synonym für oft kleinteilige handwerkliche Heimarbeit durchgesetzt und wird eher mit Baumarkt als mit aktiver Gesellschaftskritik assoziiert.

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Vielen gilt D.I.Y. auch als Alternative zur klassischen Erwerbsarbeit, gerade junge, oft gutausgebildete Frauen bestücken Dawanda und Co und bieten ihre „mit Liebe gemachten“ Unikate zu Preisen an, die häufig kaum die Unkosten der Herstellung decken dürften.

Selbstverwirklichung zum Preis der Selbstausbeutung?

Während Autoren wie Holm Friebe in der „Marke Eigenbau“ revolutionäres Potential wittern, geißeln andere die bewusste Eigeninitiative als Selbstausbeutung und ungewolltes Pendant zur staatlichen Forderung nach mehr Eigenverantwortlichkeit (Ich-AG). Die Hamburger Diskurs-Mucker Tocotronic haben diese Frage für sich längst beantwortet und beschworen ihre Zuhörer unlängst in ihrem Song „Macht es nicht selbst“, sich lieber auf die wichtigeren Dinge des Lebens zu konzentrieren.

Ganz so einfach machen wir es uns nicht und diskutieren die Frage, wo D.I.Y. zwischen Punkattitüde, Gesellschaftskritik und Geschäftsmodell einzuordnen ist, mit unseren Gästen. Das Gespräch wird wie immer durch filmische Inspirationen ergänzt und maßgeblich durch die Beteiligung des Publikums geprägt.

Die Gäste:

 Stefanie Müller (Künstlerin, Musikerin und Sozialwissenschaftlerin, Initiatorin von rag*treasure)

Miriam Paulsen (Initiatorin und Besitzerin von TSCHAU TSCHÜSSI)

Stefan Hölldobler (Gründer von diefabrik)

Moderation:

Luc-Carolin Ziemann

Wann und Wo: 28. Mai 2013, 19:00 Uhr, Galerie für Zeitgenössische Kunst

Weitere Info zum Thema >blackbox< unter: www.blackboxproject.de

>blackbox< wird In Kooperation mit Weiterdenken – Heinrich Böll Stiftung Sachsen und der Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig organisiert und durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen gefördert.

>Black Box> 5: Inklusion – Einladung zum Perspektivwechsel

Die Rede über Inklusion hat Konjunktur. Doch viel zu oft wird Inklusion falsch verstanden: als freundliche Beihilfe der Mehrheitsgesellschaft für Minderheiten, als Hilfestellung für Bedürftige oder als optionaler Zusatzservice. Diese Sicht verkennt die Sachlage.

Inklusion ist keine großzügige Geste, sondern überlebensnotwendig für alle. Von der Herstellung von Chancengleichheit profitieren alle Teile der pluralen Gesellschaft.

Wer Inklusion will, muss offen sein für einen Perspektivwechsel.

In der >black box< wollen wir im April die Weichen für einen solchen Perspektivwechsel mit Hilfe des preisgekrönten experimentellen Dokumentarfilms „Louisa“ von Katharina Peters stellen.

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„Louisa“ Regie: Katharina Pethke, Deutschland / 2011 / 62 min.

Louisa ist 23 und kann und will sich endgültig nichts mehr vormachen: Sie hört nichts. Gar nichts. Ihr ganzes Leben hat sie mit aller Kraft versucht, so zu sein wie alle anderen. Kommunikation war ein ungerechter Kampf des Lippenlesens – begleitet von einem ständigen Gefühl des Versagens. Damit ist es jetzt vorbei. Louisa beginnt, die Gebärdensprache zu lernen, entscheidet sich gegen ein Hör-Implantat und zieht in ihre erste eigene Wohnung. Dass sie trotz alledem HipHop liebt und Texte schreibt, soll für die anderen ein Widerspruch sein, doch nicht für sie.

Die Künstlerin Katharina Peters begleitet ihre Schwester Louisa filmisch ein Stück weit auf ihrem Weg. Sie lässt uns teilhaben an Louisas Entwicklung und eröffnet uns mit filmischen Mitteln den Reichtum der sinnlichen Wahrnehmung. Die Bilder und Töne werden entkoppelt, ohne dass der Film damit kokettiert. Es tritt Stille ein, wo es zu laut ist, und Töne werden freigelegt, die sonst im Lärm untergehen.

lou_ohrmodell_cmyk-300dpiZu Gast:

Louisa Pethke und Katharina Pethke

Moderation:

Luc-Carolin Ziemann

000460Die Veranstaltung wird durch Gebärdensprachendolmetscherinnen übersetzt, der Film hat deutsche Untertitel.

Wann und Wo: 22. April 2013, 19:00 Uhr, Galerie für Zeitgenössische Kunst

Eintritt: 2,00 EUR

>blackbox< wird in Kooperation mit Weiterdenken- Heinrich Böll Stiftung Sachsen und der Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig organisiert und durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen gefördert.

Rückblick: Der grosse Irrtum

Die vierte Veranstaltung der >>black box<< war den großen Irrtümern gewidmet.

Olaf Winkler (Bild: Birgitta Kowsky)

Der erste Irrtum des Abends war der, dass höchstens 80 Gäste in die Black Box passen. Nach einigem Stühlerücken war klar: da geht noch was, zumindest wenn man eng zusammenrückt. Dass wir trotzdem noch Interessierte nach Hause schicken mussten, zeigt, wie groß das Interesse war. Vielleicht ein Anreiz für die  Leipziger Kinomacher, mehr Filme wie “Der grosse Irrtum” ins Programm zu nehmen – das Publikum ist da!

Susanne Schulz (Bild: Birgitta Kowsky)

Nach dem Film diskutierten Regisseur Olaf Winkler und Luc-Carolin Ziemann mit den ZuschauerInnen über das Konzept der Bürgerarbeit, die inzwischen auch in Leipzig an vielen Stellen umgesetzt wird (mehr dazu hier), die Frage, inwieweit man die eigene, künstlerische Arbeit auch als Bürgerarbeit begreifen kann und die unfreiwillige Transformation, die gute Ideen im Politikzirkus erfahren können, bis sie zu umsetzbaren Programmen werden.

Olaf Winkler und Luc-Carolin Ziemann (Bild: Birgitta Kowsky)

Wir haben das Gespräch wie immer aufgezeichnet, so dass es hier in Ausschnitten nachvollzogen werden kann.

Leider ist die Tonqualität diesmal ziemlich schlecht (wir bitten das zu entschuldigen!)

 

“Mein Wissen um die Unsicherheit der Arbeit hat sich durch den Film vertieft…” Olaf Winkler

Wie hat sich Olaf Winklers Blick auf die eigene Arbeit während der Filmproduktion geändert?

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Wie wurde aus dem Konzept der freiwilligen Bürgerarbeit ein vergleichsweise repressives Element der Arbeitsmarktpolitik?

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Welche Folgen hat die Martwertorientierung am Arbeitsmarkt für den Einzelnen?

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Frage aus dem Publikum: Warum ist dieser Film nicht im Fernsehen zu sehen?

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Frage aus dem Publikum: Was kritisiert ihr eigentlich am Konzept der Bürgerarbeit?

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Kommentar aus dem Publikum: Das Konzept der Bürgerarbeit beruht auf der gleichen Verwertungslogik wie der “1. Arbeitsmarkt”. Warum hinterfragt ihr das Konzept nicht kritischer?

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Der Soziologe Ulrich Beck hat einen Vorschlag gemacht, wie Grundeinkommen und Bürgerarbeit kombiniert werden können.

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Arbeit dient auch als soziales Bindemittel, das Menschen innerhalb demokratischer Gesellschaften integriert und verankert.

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Anmerkung aus dem Publikum (leider in ganz schlechter Audioqualität): Wir sollten erst Begriffe wie Arbeit oder Marktwert definieren, bevor wir anfangen, darüber zu reden.

Antwort aus dem Publikum (leider in ganz schlechter Audioqualität): Aber das ist ja gerade das Spannende an dieser Debatte: dass jeder so etwas wie Arbeit eben ganz unterschiedlich definiert. Wer am Fließband steht, wird Arbeit anders definieren als ein Künstler oder ein Handwerker. Es geht doch genau darum, diese Definitionen immer wieder neu auszuhandeln und nicht festzusetzen!

Blick ins Publikum (Bild: Birgitta Kowsky)

 

 

>black box< 4: Der große Irrtum

Vom Wert der Arbeit

 
Filmvorführung und Diskussion am 16. Januar 2013, 19 Uhr, black box

Wenn zum Jahresende Bilanz gezogen wird, dann geistern Statistiken und Arbeitsmarktzahlen durch die Medien, staatliche Arbeitsbeschaffungsprogramme werden begutachtet und bewertet, kurz: der gesellschaftliche Wert der Erwerbsarbeit wird beschworen.

All denjenigen, denen es nicht gelingt, im vielbeschworenen „1. Arbeitsmarkt“ Fuß zu fassen, haben das Nachsehen. Der Wert des Menschen bestimmt sich heute am Marktwert seiner Arbeitskraft. Aber wie kann man trotzdem leben, wenn dieser Marktwert gen Null zu tendieren scheint? Wie kann es sein, dass es unendlich viele gesellschaftliche „Baustellen“ gibt, aber niemanden, der einen angemessen dafür bezahlt, dass man in der Kultur, der Bildung oder der Pflege seine Arbeit tut? Welchen Wert hat die künstlerische Arbeit, die dazu beiträgt, gesellschaftliche Entwicklungen zu beleuchten und zu hinterfragen?

Die Filmemacher Olaf Winkler und Dirk Heth beschäftigen sich schon lange mit diesem Thema. Vor zehn Jahren portraitierten sie in „Eggesin möglicherweise“ (2002) ein kleines ostdeutsche Städtchen und seine Menschen, von denen damals 20% arbeitslos waren. An der Statistik hat sich seitdem nicht viel geändert, am Leben der Menschen schon. Denn viele haben beschlossen, sich den Wert ihrer Arbeit nicht vom Markt diktieren zu lassen. Sie arbeiten trotzdem – jenseits des Marktes, für sich und ihre Umgebung. Ehrenamtlich oder schlecht bezahlt.

Ganz ähnlich geht es den Filmemachern selbst, die für ihren Film keinen Fernsehsender gewinnen können und nun gemeinsam mit ihren Protagonisten erleben, was es heißt, wenn „das gnadenlose Paradigma der bedingungslosen Marktfähigkeit einen zu verschlucken droht“. Zwischen Hoffnung und wachsender Ohnmacht stellen sie Fragen, die gehört werden müssen.

Gezeigt wird der preisgekrönte Film:

„Der Große Irrtum“ Regie: Olaf Winkler und Dirk Heth, Deutschland / 2012 / 105 Minuten

Zu Gast: Olaf Winkler und Dirk Heth (Filmemacher)

Moderation: Luc-Carolin Ziemann

Wie immer in der Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig (Eintritt: 2 Euro).

Rückblick: Pussy Riots (Vol. III)

Mehr als zwei Stunden voller Videos und Diskussionen über FEMEN, Pussy Riot, Slut Walks und andere historische und aktuelle feministische Positionen liegen hinter uns und längst sind nicht alle Fragen geklärt, sondern es wurde eher deutlich, wie wichtig es ist, sich weiterhin kontrovers über Themen, Inhalte und Strategien zu auseinandersetzen.

2.1.21

Alle Bilder von Birgitta Kowsky

 

Wir haben die Diskussion für Euch zusammengefasst, so dass ihr sie bequem nachhören könnt.

Lassen sich historische feministische Protestformen wie die Performance „Fight Back“ von Suzanne Lacy, Leslie Labowitz, Bia Lowe (Los Angeles, 1977) ins Heute übertragen?

Antwort von  Andrea Günther und Julia Lemmle:

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Wie wichtig ist für eine feministische Performance der Raum, in dem sie stattfindet?

Antwort von Julia Lemmle und Andrea Günther:

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Wie kann man sich als feministische Künstlerin zu Pussy Riot in Beziehung setzen?

Antwort von Julia Lemmle und Andrea Günther:

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Die Aktionen der FEMEN kommen dem Klischeebild der hysterischen Frau ja sehr nahe: inwieweit ist sich die Gruppe darüber bewusst, dass sie hier ein Klischee ziemlich ungebrochen transportiert wird? Wie ist die Gruppe FEMEN organisiert?

Antwort von Andrea Günther:

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Frage aus dem Publikum: Gibt es auch Aktionen, in denen Frauen auftreten, die nicht dem gängigen Schönheitsideal entsprechen?

Antwort von Andrea Günther und Julia Lemmle:

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Gedanken zum Thema Nacktheit, Uniformität und genutzten Klischeebildern

Antwort von Julia Lemmle:

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Vergleich der Aktionen von FEMEN mit den Slutwalks

Antwort von Julia Lemmle:

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Antwort von Julia Lemmle:

Kann FEMEN nicht eine mögliche Form des zukünftigen Feminismus sein?

Antwort von Julia Lemmle und Andrea Günther:

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FEMEN reproduziert männliche Klischeebilder, ohne sie zu brechen

Publikumsanmerkung, Antwort Julia Lemmle und weitere Anmerkung aus dem Publikum:

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Tits for Human Rights – Den Medien einen Spiegel vorhalten

Kommentar aus dem Publikum:

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Pussy Riots: >black box< Vol. III

Frauen/Körper/Protest/Kultur

am 21. November 2012, 19:00 Uhr, Galerie für Zeitgenössische Kunst, Eintritt: 2,00 EUR

Im Mittelpunkt der Diskussion steht die Frage, wie sich politische AktivistInnen und Künstlerinnen ihres eigenen Körpers und der gesellschaftlichen Projektionen auf weibliche Körper bedienen, um ihr Anliegen zu artikulieren und medial zu transportieren.

Als eine Pionierin auf diesem Gebiet kann die österreichische Künstlerin VALIE EXPORT gelten, die mit ihren Performances wie dem »Tapp- und Tastkino« schon in den 60er Jahren zeigte, wie eine feministische Gesellschaftskritik mit künstlerischen Mitteln aussehen kann.

Heute ist viel vom „Neuen Feminismus“ die Rede, zum Beispiel wenn es um Slutwalks, die Aktionen der Gruppen Pussy Riot oder FEMEN oder die Bühnenperformances von Künstlerinnen wie Peaches oder Chicks on Speed geht.Aber was ist das „neue“ am neuen Feminismus? Können aktionistische Auftritte, aufreizende Posen und provozierend kurze Röcke à la FEMEN überhaupt eine ernsthafte Kritik an der Sexualisierung und Objektivierung von Frauen transportieren oder reproduzieren diese Aktionen nur die Klischees? Welche Handlungsmöglichkeiten hat man heute als Künstlerin und politische Aktivistin? Wie kann ein zeitgenössisches, künstlerisches Hinterfragen der gegenwärtigen patriarchalen Machtverhältnisse aussehen?

Die >black box< öffnet sich für eine „Tour de Force“ durch die Geschichte der feministischen Protestkultur. Gezeigt und diskutiert werden Filme und Ausschnitte von den 70er Jahren bis heute.

Zu Gast:

Julia Lemmle (Performerin und Künstlerin, u.a. bei „Muschiballett“ und „Fräulein Bernd“)

Andrea Günther (Medienkünstlerin, Kunstvermittlerin und politische Aktivistin, siehe auch http://andreaguenther.blogspot.de/)

Moderation:

Stefanie Lohaus (Kulturwissenschaftlerin und Mitherausgeberin des MISSY Magazins)

VALIE EXPORT ist angefragt, sich via Skype einzuschalten